Wie zuverlässig arbeitet die IV-Stelle?

In den Medien ist zu lesen, die IV schreibe nun schwarze Zahlen, die getätigten Gesetzesrevisionen hätten ihre Wirkung nicht verfehlt. Schön und gut. Doch wie zuverlässig arbeitet die IV-Stelle im Sinne des Gesetzes? Das wird in der Qualität nirgendwo überprüft.

Schliesslich haben alle Antragstellenden einen Teil ihres Lohnes als Beitrag an diese Versicherung einbezahlt im guten Glauben daran, dass sie im Falle des Falles Versicherungsschutz geniessen würden.

Bereits zu Beginn der Tätigkeit von FIB 2009 wurden relevant regelmässige Gesetzesverstösse seitens der IV-Stelle zulasten von Antragstellenden konstatiert. Die IV-Stellen wussten schon länger um die Fehlerquellen und wurden auch seitens FIB in einem Gespräch darauf aufmerksam gemacht. Trotz sogenannt fachlicher Leitungen in der Sachbearbeitung hat sich in der Zwischenzeit leider nichts zum Positiven verändert. Im Gegenteil. Die Fehler sind frappanter geworden. Ob Absicht oder nicht ist hier nicht Thema, sollte aber keinen Unterschied ausmachen.

Anfang dieses Jahres wurde FIB um Unterstützung in einem Fall angefragt, wo die IV-Stelle über einen Revisionsantrag von A bis Z absolut fachfremd entschieden hatte.

Der Mann hatte sein ganzes Leben hart gearbeitet, vor seinem Unfall einige Jahre als Selbstständigerwerbender. Nach seinem Unfall wurde ihm aufgrund körperlicher Unfallfolgen eine Dreiviertelsrente zugesprochen, da er keinen nennenswerten Verdienst mehr erzielen konnte.

Vor einigen Jahren war die Scheidung von seiner Ex-Frau, mit der er zwei noch nicht ausgebildete Kinder hat. Dieser Schicksalsschlag machte ihm psychisch so zu schaffen, dass ihm seitens der Psychiatrie seit mehreren Jahren eine mittelgradige Depression attestiert wird. Trotz regelmässiger Psychotherapie hatte sich daran nichts geändert.

Nun hatte der Mann um Revision seiner IV-Rente beantragt, da er aus psychischen Gründen alleine 50% arbeitsunfähig in allen Arbeitsbereichen geschrieben wurde. Von Gesetz wegen hätte die IV-Stelle die Pflicht, bei einem Revisionsantrag zu überprüfen, ob sich dadurch der IV-Grad erhöht bzw. ob eine ganze Rente verfügt werden muss.

Die IV-Stelle beschloss Nichteintreten in völliger Ignorierung der psychiatrischen Sichtweise. Dies ist absolut unzulässig. Der regionalärztliche Dienst der IV (RAD) hatte sogar für einen medizinischen Laien ersichtlich fachfremde Gründe angeführt, die Sachbearbeitung hat ihre Sorgfaltspflicht nicht eingehalten und die Argumentation des RAD durchgewunken. Das ist aus den Akten herauszulesen.

Die Verfügung wurde mit einem Schreiben des Psychiaters, dass eine Erhöhung des IV-Grades geprüft werden müsse, mittels Beschwerde beim Versicherungsgericht angefochten.

Wäre keine Beschwerde erhoben worden, wäre die psychiatrisch dokumentierte psychische Seite des Gesundheitszustandes der vergangenen Jahre, im bestehenden Ausmass auch künftig, von der IV für immer unberücksichtigt geblieben.

Die schwarzen Zahlen der IV sind also mit äusserster Vorsicht zu geniessen, denn obiges Beispiel ist keineswegs ein Einzelfall.

Man erinnere sich an die ‚Scheininvaliden‘-Debatte der vergangenen Jahre. Viele Personen mit einem Fehlentscheid der IV-Stellen sind aus medizinischer Sicht noch immer arbeitsunfähig und sind auf Sozialhilfe angewiesen. In Unkenntnis der Rechtslage haben sich viele Sozialämter der medialen Hetze seitens bürgerlicher Parteien gebeugt und behandeln die Sozialhilfeempfänger, als wären diese Kriminelle, die nicht arbeiten wollen.

Menschen mit Behinderung und involvierte Fachleute sind angehalten, spätestens bei einem ablehnenden oder teilweise ablehnenden IV-Entscheid eine spezialisierte Fachstelle wie die Fachstelle Integration Behinderung beizuziehen.